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TTN Essay-Preis: „Natur verbessern“ –
Grüne Biotechnologie im Zeitalter des Anthropozäns

Im Jahr 2013 schrieb das Institut TTN zum zweiten Mal seinen Essay-Preis aus. Das Thema lautete: „Natur verbessern“: Grüne Biotechnologie im Zeitalter des Anthropozäns. Als Siegertext ging der Essay „Paradoxe Natur. Plädoyer für eine postromantische Ökologie“ des Soziologen Sascha Dickel hervor. Der Preisträgertext wie zwei weitere, von der Jury für eine Publikation empfohlene Beiträge sind nun online erschienen.

Sascha Dickel

„Der Begriff der Natur verschmilzt mit dem Begriff der Tradition“

Sascha Dickel

„Ist die Befangenheit für den Status quo keine irrationale Neigung, sondern lediglich untertheoretisiert?“

Martin Beckstein

„Eine Welt ohne Wildnis verlangt nach einer transformierten ökologischen Moral, die den Wert der Natur nicht in ihrer Unberührtheit begründet.“

David Ludwig

Titelfoto: iStockphoto

Unsere Vorstellung von der Natur scheint überholt. Darauf weisen jüngere ökologische Debatten ebenso hin wie die Anthropozän-These: Das Bild von Natur als unberührte Wildnis ist als Illusion entlarvt. Sind wir in ein neues Erdzeitalter eingetreten, in dem zwischen Natürlichem und Künstlichem nicht mehr klar unterschieden werden kann?

Welche Konsequenzen hat dies für die Diskussion über Grüne Biotechnologie? Kann die Optimierung von Nutzpflanzen ein Weg sein, um „grüne“ Werte und moderne Technologie zu versöhnen? Wie wirkt sich ein neues Naturbild auf einen verantwortlichen Umgang mit der Natur aus?

Zu diesen Fragen schrieb das Institut TTN seinen Essay-Preis 2013 aus. Im gekürten Siegertext argumentiert der Soziologe Sascha Dickel: Der Versuch eines zukunftsfähigen Umgangs mit Grüner Gentechnik ist in einer inneren Widersprüchlichkeit gefangen, welche die klassischen Instrumente der Kritik stumpf werden lässt. Die gesamte Moderne, so der Essay, ist in ihrem Verhältnis zur Natur von einer Paradoxie geprägt: Je mehr die „reine“ Natur verschwindet, desto stärker prägt sie als Symbol unser Denken und Handeln. Der Begriff der Natur verschmilzt dabei mit dem Begriff der Tradition. Mit der Hilfe des Naturbegriffs wird die Sphäre des Gewohnten und traditionell Erwarteten von den Unwägbarkeiten einer unbekannten Zukunft kulturell geschützt.

Der Siegertext ist in ungekürzter Länge in der neuen digitalen Publikationsreihe TTN edition erschienen und online kostenfrei nachzulesen. Darüber hinaus wurden auch die eingereichten Essays von Martin Beckstein und David Ludwig, die die Jury ebenfalls für eine Publikation empfohlen hat, publiziert. Martin Beckstein setzt sich in seinem Text mit der „Befangenheit zugunsten des Status quo in der Bioethik“ auseinander: Warum wird das Bestehende gegenüber dem Neuen oftmals bevorzugt? David Ludwig spürt dem Begriff der „Wildnis“ nach und plädiert: Eine Welt ohne Wildnis verlangt nach einer transformierten ökologischen Moral, die den Wert der Natur nicht in ihrer Unberührtheit begründet.

TTN-Essay-Preis 2013

Sascha Dickel: Paradoxe Natur. Plädoyer für eine postromantische Ökologie.
Martin Beckstein: Die Befangenheit zugunsten des Status quo in der Bioethik.
David Ludwig: Nach der Wildnis.

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