Justitia Statue

Gerechtigkeit als Aufgabe –
Auf der Suche nach einer besseren Welt

Wo Ungerechtigkeit erlebt wird, hängt diese oft mit Willkür und Parteilichkeit zusammen. Demgegenüber verlangt Gerechtigkeit einen unparteilichen Standpunkt. Streit entzündet sich meist daran, wie dieser im Geflecht unterschiedlicher Interessen zu finden ist. Ansprüche an die gerechte Verteilung von Gütern erfordern zudem einen starken politischen Willen. Die Interessen von Armen oder von zukünftigen Generationen sind jedoch oft nur schwer zu organisieren. Woran soll sich eine Politik, die gerecht sein will, orientieren?

Fair Trade Organgensaft

Fair gehandelte Produkte wie Orangensaft tragen in Deutschland ein Fairtrade-Gütesiegel.

Foto: Institut TTN

Fairtrade Gütesiegel

Fairtrade-Gütesiegel

Titelfoto: Institut TTN

Im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Agrarhandel wird Gerechtigkeit vor allem in internationaler Perspektive zum Thema. Unter Gerechtigkeit versteht man ganz allgemein einen als erstrebenswert erachteten Zustand des sozialen Zusammenlebens, bei dem jeder das Seine erhält. In diesem erstrebenswerten Zustand gibt es zwischen verschiedenen Personen oder Gruppen einen von allen als angemessen und unparteilich empfundenen Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen. Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema in der Ethik und in unterschiedliche Moraltheorien eingebunden.

Landwirtschaft und Fragen der Gerechtigkeit

Fragen sozialer Gerechtigkeit sind virulent, wo es mit Blick auf faire Löhne oder den Umgang mit Entwicklungsländern unterschiedliche Interessen gibt. Welchen Preis sind wir bereit, für ein Produkt zu zahlen? Was kann als gerechter Lohn angesehen werden? Welche sozialen Mindeststandards sind beim Handel mit Produkten aus Entwicklungsländern zu beachten? Diese Gedanken versucht das Konzept des Fairen Handels (Fair Trade) aufzugreifen. Unter Fairem Handel versteht man einen kontrollierten Handel, bei dem den Erzeugern für die gehandelten Produkte ein festgelegter Mindestpreis bezahlt wird, welcher über dem jeweiligen Weltmarktpreis liegt. Für diese Mindestpreise setzen sich verschiedene Fair Trade-Organisationen weltweit ein. Global gesehen befinden sich diese Produkte jedoch nur in kleinen Nischen. Um beispielsweise die Versorgung mit Nahrungsmitteln weltweit gerechter zu gestalten, benötigt der Markt eine erhebliche Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft. Umso wichtiger sind internationale Abkommen, die geeignet sind, den internationalen „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“ (Alexander von Hajek) für Wertschöpfung nicht nur effizient, sondern auch gerecht zu gestalten.

Gerechtigkeitsfragen stellen sich bei der landwirtschaftlichen Nutzung inzwischen auch in anderen Zusammenhängen. Durch die zunehmende Nutzung von Biomasse als Ersatz für fossile Energieträger (vgl. Energiepflanze) ist es zu einer teilweisen Konkurrenz mit Flächen zur Nahrungsmittelerzeugung gekommen. Angesichts des Bevölkerungswachstums werden daher verschiedene ethische Probleme kontrovers diskutiert, besonders beim Einsatz von Lebensmitteln wie Getreide zur Gewinnung von Energie.

Gerechtigkeit im Konzept der nachhaltigen Entwicklung

Mit Blick auf das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wirft die landwirtschaftliche Nutzung Fragen der Gerechtigkeit zwischen den Generationen auf. Mit Generationengerechtigkeit meint man das Gerechtigkeitsverhältnis zwischen der heutigen und der künftigen Generation, also die Frage der Nutzung von und des Zugangs zu Gütern und Ressourcen in einem gerechten Ausgleich zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen entlang des Zeithorizontes. Hier geht es vor allem um die Gerechtigkeit bei der Wahrnehmung von Chancen und um die Verteilungsgerechtigkeit. Als Ziel wird ausgegeben, dass die Chancen zukünftiger Generationen auf die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse mindestens so groß sind wie die der heutigen Generation. Wäre es beispielsweise legitim, für einen höheren landwirtschaftlichen Nutzen in der heutigen Generation mögliche Risiken in Kauf zu nehmen, die sich erst in der Zukunft zeigen und von anderen zu tragen sind?

Im Zusammenhang mit dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung stellen sich auch Fragen der Umweltgerechtigkeit. Bei der Umweltgerechtigkeit geht es darum, dass ökologische Belastungen auf verschiedene Regionen gleichmäßig verteilt werden. Menschen aus verschiedenen Regionen sollen die gleichen rechtlichen Möglichkeiten haben, Umweltbelastungen zu verhindern. So soll beispielsweise im Sinne der Umweltgerechtigkeit vermieden werden, dass beim Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse ökologische Belastungen in der einen Region in Kauf genommen werden, während die Erzeugnisse in einer anderen Region genutzt werden, die nicht von den Belastungen betroffen ist. In der heutigen Umweltdebatte wird auch diskutiert, ob Kriterien der Gerechtigkeit nicht auch für Tiere und Pflanzen gelten können.

Gerechtigkeit und Verantwortung für die Zukunft?

Das Konzept der Nachhaltigkeit spricht von einer moralischen Verantwortung für zukünftige Generationen. Doch eine derartige Forderung wirft zahlreiche philosophische wie praktische Fragen auf:

  • Es leuchtet ein, dass wir unseren Kindern gegenüber moralisch verpflichtet sind. Aber wie weit reicht unsere Verantwortung in die Zukunft? Inwieweit können wir Menschen, die noch nicht existieren, tatsächlich moralisch berücksichtigen, wenn wir ihre Bedürfnisse doch nur von uns selber kennen?
  • Welche natürlichen Güter sollen wir zukünftigen Generationen hinterlassen? Geht es hierbei um einen Schutz von materieller Natur, oder gilt es, Funktionen von Ressourcen – beispielsweise durch Samenbanken – zu erhalten, so dass Chancen bereitgestellt werden?
  • Wie sollen wir die Interessen gegenwärtig lebender Menschen mit jenen zukünftiger Generationen abwägen? Konkret gefragt: Dürfen wir endliche Ressourcen wie Rohöl zur Neige gehen lassen? Inwieweit haben wir unter Bedingungen der Knappheit ein Recht darauf, Natur zu „verbrauchen“? An diesem Punkt berührt die Nachhaltigkeitsdebatte auch die Frage der sozialen globalen Verantwortung, geht es doch nicht nur um die Bedürfnisse der zukünftigen, sondern auch der gegenwärtig lebenden Menschen.
  • Keineswegs trivial ist das Problem der politischen Umsetzbarkeit. Zukünftig lebende Menschen haben keine politischen Repräsentanten, weil sie nicht wählen können. Sie bleiben auf unsere Stellvertretung angewiesen. Aber politische Entscheidungen werden immer nur anerkannt von denjenigen Bürgern, die heute leben.

Drucken Versenden