blühende Apfelplantage

Cis-Gentechnologie – Wahrung der Artgrenzen

Cisgene Pflanzen sind gentechnisch veränderte Pflanzen, die nur arteigenes Erbmaterial enthalten. Gentechnik zwar nicht mit anderen Mitteln, aber unter Wahrung der Artgrenzen. Die Verbraucher könnten gentechnisch veränderte Produkte so eher akzeptieren, hofft so mancher Wissenschaftler, Pflanzenzüchter oder Landwirt.

Eurobarometer: Akzeptanz für cisgene und transgene Äpfel 2010

Laut einer Umfrage von 2010 schneiden cisgene Äpfel in Europa deutlich besser ab als transgene Äpfel.

Grafik: i-bio

Titelfoto: Anette Berns, transgen.de

Zur Erzeugung cisgener Pflanzen (cis = diesseits) werden die gleichen gentechnischen Methoden eingesetzt wie bei transgenen Pflanzen (trans = jenseits (der Artgrenzen)). Der Unterschied ist, dass cisgene Pflanzen nur Gene derselben Pflanzenart bzw. von kreuzbaren nahen Verwandten enthalten. Diese Erbinformation könnte auch auf natürlichem Wege übertragen, d. h. eingekreuzt werden. Transgene Pflanzen enthalten hingegen meist artfremdes Genmaterial aus nicht verwandten Pflanzenarten oder auch aus anderen Organismen wie etwa Bakterien.

In der Gentechnik wird nicht nur das sogenannte „Zielgen“ übertragen, sondern ein Genkonstrukt mit verschiedenen zusätzlichen Gen-Sequenzen, die für die Übertragung und die Ausprägung des Zielgens notwendig sind. Auch diese Sequenzen dürfen bei cisgenen Pflanzen nicht aus artfremden Organismen stammen.

Außerdem werden auch sogenannte Markergene benötigt, um zu überprüfen, bei welchen Pflanzenzellen die Genübertragung erfolgreich war. Das sind üblicherweise zum Beispiel Antibiotikaresistenz-Gene. Auf Antibiotika-haltigem Nährboden können dann nur die Zellen überleben, in die das neue Genkonstrukt erfolgreich übertragen wurde. Auch solche Gene dürfen in cisgenen Pflanzen nicht enthalten sein.

Cisgene Pflanzen - nicht anderes als durch Kreuzung entstandene Pflanzen?

Mit der Cis-Gentechnologie will man Pflanzen erzeugen, die auch aus einer Kreuzung entstanden sein könnten, und gleichzeitig die Vorteile der Gentechnik nutzen: Nur das gewünschte Gen wird übertragen, die positiven Eigenschaften der Kulturpflanze bleiben dabei erhalten. Bei einer Kreuzung gelangen auch unerwünschte Erbinformationen in die Kulturpflanze. Die müssen dann sehr aufwändig durch Rückkreuzung mit Hochleistungssorten wieder entfernt werden.

Cisgene Pflanzen müssen ebenso wie transgene Pflanzen nach der EU-Freisetzungs-Richtlinie als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zugelassen werden. Da ein cisgener Apfel nur Apfel-Gene enthält und eine cisgene Kartoffel nur Kartoffel-Gene, fordern einige Wissenschaftler, cisgene Pflanzen nicht mehr als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) zu behandeln, sondern wie Pflanzen, die durch Kreuzung entstanden sind. Dann würden sich Zulassung und Kennzeichnungspflicht erübrigen, so wie dies in Australien bereits der Fall ist.

Für Kritiker dieser Forderung ist aber weniger die Herkunft des übertragenen Erbmaterials entscheidend, sondern dass nach wie vor mit gentechnischen Methoden gearbeitet wird. So sehen sie ein Risiko etwa darin, dass das übertragene Genkonstrukt in der Regel zufällig an einer beliebigen Stelle ins Genom integriert wird und dies möglicherweise zu unvorhergesehenen Effekten führen könnte.

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