Maiskolben

Gentechnisch veränderter Mais 1507 –
In der EU vor der Zulassung, in Deutschland verboten?

Es ist wohl nur noch ein Frage der Zeit: Nach vielen Jahren könnte in der EU wieder ein gentechnisch veränderter Mais - die Linie 1507 - für den Anbau zugelassen werden. Doch in vielen Ländern und Regionen ist er nicht willkommen: Die Mehrheit der Bevölkerung ist dagegen, auch viele Landwirte, Umwelt- und Verbraucherverbände. Die meisten EU-Länder - auch Deutschland - haben die neue „Ausstiegsklausel“ in Anspruch genommen, um den Anbau bei sich zu verbieten. Doch: Was hat es mit diesem „Genmais“ auf sich? Ist er besonders riskant, birgt er Gefahren für die Umwelt und die Biodiversität? Oder bündelt sich in den Auseinandersetzungen um den 1507-Mais das weit verbreitete Unbehagen an der Gentechnik?

Mais-1507-Pioneer

1507-Mais: Die Fakten

Der gentechnisch veränderte Mais TC1507 wurde in den 1990er-Jahren von den Agrounternehmen Dupont / Pioneer HiBred und Dow AgroScience entwickelt. Er besitzt zwei neue, mit gentechnischen Verfahren eingeführte Merkmale:

Insektenresistenz: 1507-Mais produziert eine Variante (Cry1F) des Bt-Proteins, das gegen bestimmte Schadinsekten wie den Maiszünsler, einen Schmetterling, wirkt.

Herbizidresistenz: Ein bakterielles Gen vermittelt eine Resistenz gegen Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel) mit dem Wirkstoff Glufosinat. Dieser Wirkstoff ist in Deutschland bei Mais nicht mehr zugelassen; in der EU wird die Zulassung wahrscheinlich in den nächsten Jahren auslaufen.

Der 1507-Mais wird seit vielen Jahren in den USA und verschiedenen Ländern Mittel- und Südamerikas angebaut. Die Ernteprodukte dürfen in die EU importiert werden; sie sind dort zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel zugelassen.

Zulassung nur unter Auflagen

Der Entscheidungsvorschlag der Kommission sieht vor, den Anbau von 1507-Mais nur unter bestimmten Bedingungen zu erlauben, etwa:

-beim Anbau ist die Nutzung des Merkmals Herbizidtoleranz verboten

-Anlage von Refugienflächen mit konventionellem Mais (mindestens 20 Prozent)

-Überwachungsprogramme durch den Antragsteller in Bezug auf Resistenzbildung bei Schädlingen

Titelfoto: i-bio / transgen.de

Foto oben: Pioneer

Mais 1507 ist wie viele andere gentechnisch veränderte Maislinien - ein Bt-Mais. Infolge eines eingeführten bakteriellen Gens bildet er in allen Pflanzenteilen einen insektiziden Stoff – Bt-Protein. Das in 1507-Mais aktive Bt-Protein ist eine bestimmte Variante (Cry1F), die gegen Schad-Schmetterlinge wie den Maiszünsler wirksam ist.

Der Maiszünsler, ein kleiner grau-brauner Schmetterling, ist der wirtschaftlich bedeutendste Maisschädling. Er ist in allen südlichen und südöstlichen europäischen Maisanbaugebieten verbreitet. Inzwischen ist er kontinuierlich Richtung Norden gewandert und hat die Ostseeküste erreicht. Wie die Erfahrungen aus Spanien zeigen, kann der Anbau von Bt-Mais Vorteile bringen. Er wirkt effektiv und gezielt gegen Schädlinge ohne andere Organismen zu treffen. Der Landwirt kann weitgehend auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verzichten und hat weniger Ertragseinbußen durch abgeknickte oder geschwächte Pflanzen. Doch erst bei starkem Zünslerbefall rechnet sich der Anbau von Bt-Mais. Treten die Schädlinge nur vereinzelt auf, lohnt sich eine Bekämpfung nicht.

Bt-Mais kann aber noch einen weiteren Vorteil haben – eine geringere Belastung mit Pilzgiften. Über Fraßverletzungen, die von den Zünslerlarven hervorgerufen werden, können Erreger von Pilzkrankheiten in die Maispflanze eindringen. Einige dieser Pilze, etwa Fusarien, produzieren hochwirksame Gifte (Mykotoxine), welche die aus Mais hergestellten Futter- und Lebensmittel belasten. In mehren Untersuchungen wurde bestätigt, dass Bt-Maispflanzen vor allem bei starkem Pilzbefall weniger Mykotoxine aufweisen als herkömmliche Maispflanzen. Auch in einigen Regionen Deutschlands klagen Landwirte über Pilzbefall im Mais und die dadurch verursachte schlechtere Futterqualität. Mykotoxine im Futter führen bei den Tieren zu Verdauungsproblemen oder Fruchtbarkeitsstörungen.

1507-Mais ist - wie auch der in Deutschland verbotene MON810-Mais - umstritten. Neben allgemeinen, die Grüne Gentechnik insgesamt betreffenden Einwänden werden vor allem drei Themenbereiche angesprochen:

  • Im Pollen bildet 1507-Mais vergleichsweise viel Bt-Protein - etwa 300-mal so viel wie in MON810-Mais. Das könnte für bestimmte Nicht‑Zielorganismen - im Falle von Mais 1507 sind dies vor allem Schmetterlingsarten – ein erhöhtes Risiko bedeuten.
  • Die Schädlinge - in diesem Fall vor allem der Maiszünsler - könnten gegen das Bt-Protein resistent werden. Würde es auf diese Weise seine Wirksamkeit verlieren, wäre davon auch der ökologische Landbau betroffen. Dort sind klassische Bt-Präparate als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel zugelassen.
  • Wenn 1507-Mais tatsächlich in Europa oder Deutschland angebaut würde, wäre eine wirklich „gentechnik-freie“ Landwirtschaft nicht mehr gewährleistet. Niemand könnte dann mehr ausschließen, dass Bestandteile von gv-Mais infolge von Einkreuzungen und Vermischungen auch in ausdrücklich „ohne Gentechnik“ erzeugte Produkte gelangen, auch in Honig.

Zulassungsverfahren in der EU

Der Antrag, den Anbau von 1507-Mais in der EU zu genehmigen, wurde schon 2001 eingereicht. Im Verlauf des Verfahrens hat die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihn mehrfach überprüft und dafür immer wieder neue wissenschaftlicher Studien hinzugezogen. Strittig war insbesondere, ob der 1507-Mais auch andere Organismen schädigen könnte. 2012 wurde die Sicherheitsbewertung mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass 1507-Mais im Hinblick auf die Umwelt sowie die Gesundheit von Mensch und Tier sich nicht von anderen konventionellen Maissorten unterscheide. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es daher keine Bedenken gegen den Anbau.

Nun hätte die EU-Kommission eine Entscheidung über die Zulassung herbeiführen müssen. Sie ließ das Verfahren jedoch ruhen. Dagegen klagte Pioneer HiBred vor dem Europäischen Gerichtshof - und bekam im Oktober 2013 Recht. Das Urteil zwang die Kommission, einen Entscheidungsvorschlag auszuarbeiten und den EU-Mitgliedsstaaten vorzulegen. Diese können den Vorschlag ablehnen oder annehmen, dafür ist jedoch eine qualifizierte Mehrheit erforderlich. Diese kam bei zwei Abstimmungsrunden nicht zustande. Nun ist die EU-Kommission nach den EU-Verträgen verpflichtet, die Zulassung zu erteilen, falls alle dafür vorgeschriebenen Kriterien erfüllt sind.

Ausstiegsklausel: EU-Länder dürfen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen bei sich verbieten

Seit Jahren konnten sich die EU-Mitgliedsstaaten nicht einigen, wenn es um die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen ging. Die heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen um den 1507-Mais führten schließlich zu einer neuen gesetzlichen Regelung: Seit dem Frühjahr 2015 können einzelne EU-Länder den Anbau einer gv-Pflanze bei sich verbieten, auch wenn diese in der EU zugelassen und wissenschaftlich als sicher bewertet wurde. Das hat das EU-Parlament im Januar 2015 beschlossen. Deutschland - und weitere 18 Eu-Länder haben die sogenannte „Ausstiegsklausel“ - in Anspruch genommen. Mögliche Anbauzulassungen für 1507-Mais und weitere sechs Mais-Events werden demnach nicht für Deutschland gelten.

Diskussion / Kommentare

Kommentare werden geladen…

Drucken Versenden